×

Nie wieder Skisafari, denke ich mir. Es ist früher Sonntagmorgen im Februar 2017, ich stecke bis zur Hüfte im Schnee, mein sechsjähriger Sohn bis zum Hals. Skis und Stöcke liegen unter und über uns verstreut im Hang. Die grossen Kinder sind schon gut fünfhundert Meter weiter, bei bester Laune. Von weiter oben ist das Jammern der kleineren Skifahrer im steilen Hang zu hören. Seit gut einer Stunde pflügen wir uns durch den Neuschnee, den Frau Holle auch dieses Jahr über Nacht in rauen Mengen über die Mythenregion geschüttet hat. Also nochmal aufstehen, Skibindungen und Schuhe vom Schnee befreien, Ski anschnallen und meinem kleinen Sohn gut zureden.

Das machen wir nie wieder, sage ich mir jedes Jahr – seit drei Jahren. Und jedes Jahr freuen sich alle vier Väter und acht Kinder wieder von neuem auf die Skisafari. Die Vorfreude auf den gemütlichen Abend in der Hütte, den selbstgebauten Sprung vor dem Haus, die verschneiten Wälder und Hänge, die immergleichen Kinderwitze in der Gondelbahn, die verbeulten Käsebrote in Alufolie aus dem Rucksack und die Erinnerungen an das grosse Abenteuer verdrängen den Frust und die Tränen der letzten Skisafari in Windeseile.

Eigentlich wäre die Skisafari ja ein Kinderspiel. Die Website verspricht eine dreistündige, 14 Kilometer lange Rundfahrt durch die charmanten Voralpen – von Illgau über die Handgruobi ins Hoch-Ybrig und wieder zurück. Wir starten jeweils am Samstag Mittag beim Sessellift Laucheren, werden jedes Jahr von unerwartet starkem Schneefall überrascht und trudeln in der Abenddämmerung in der Chruthütte zwischen Windegg und Illgau ein. Die Temperatur in der winzigen Hütte ohne Strom oder fliessendes Wasser klettert dank brennendem Holzofen und zwölf Personen in einer knappen Stunde von beissend kalten Minusgraden auf schweisstreibende 30 Grad. Die überdrehten und übermüdeten Kinder essen gierig ihre Spaghetti und kriechen dann in die Schlafsäcke im oberen Stock. Die Väter fragen sich bei einer Flasche Einsiedler Bier, wie jedes Jahr, woher der viele Schnee nun plötzlich kommt und ob wohl auch dieses Jahr kein Pistenfahrzeug am Sonntagmorgen den Weg nach Illgau ebnen wird. Der eine sagt, die Kinder werden ja auch immer grösser.

Ich sage, mein vierjähriger Sohn ist ja noch gar nie mitgekommen. Dieses Jahr wird es wohl Zeit.

Auf ein Neues, wenn es wieder heisst: Skisafari. Denn draussen ist es einfach besser.

0 Comments

Cancel

Menu